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Die Falle - Ein Kurz-Krimi von Alex Mühle

Sie war wunderschön, hatte blaue Augen, schulterlanges blondes Haar und Rundungen genau dort, wo Männer sie am liebsten haben. Sie trug eine Perlenkette, Lippenstift und sonst gar nichts.

Sie lag auf dem Bett, bereit zur Liebe, der Champagner, welcher aus dem umgekippten Glas zwischen ihren Brüsten zum Bauchnabel floss und dort ein kleines Seelein bildete, verdunstete immer mehr.

Ein Pumps hing an ihrem mittleren Zeh, der andere lag irgendwo auf dem Boden. Das Licht war gedämpft und der CD-Player war im Repeat-Modus.

Ihm wollte dies alles jedoch nicht so gefallen, sei es, dass er vom anderen Ufer war, sei es, dass die Dame einen kleinen Schönheitsfleck hatte. Man soll ja nicht kleinlich sein, aber er schaltete plötzlich den Lautsprecher ab und drehte das Licht heller. Die Stimmung war so oder so dahin, denn der Schönheitfleck bestand aus einem kleinen, hübschen Löchlein an ihrer Schläfe aus welchem unablässig Blut tröpfelte.

"Wo bleibt denn die Spurensicherung", fragte er. Er hiess eigentlich Roger Reimer und war Kriminal-Inspektor, man nannte ihn aber nur Gerry Schwarzer. Den Spitznamen verdiente er sich von einem Fall, als er sich als Neger verkleidete um im Ausländerviertel das Vertrauen zu gewinnen. "Man muss flexibel sein", lautete seine Devise. Na ja, mit einem blauen Auge und einer blutigen Nase kam er auf die Hauptwache zurück.

Sein Kollege, Harry Nüssel kam eben gerade ins Zimmer gestürmt und streifte den Pumps, welcher nun am Zeh des Opfers hin und her baumelte.

Kommissar Reimer machte eine weibische Handbewegung, mittels welcher er seinen Kollegen zurechtweisen aber auch die Abscheu über diesen Mord zum Ausdruck bringen wollte.

"Wahrend die Spurensicherung heranrückte und ein reges Treiben mit Blitzlichtern, Messbändern, etc, veranstaltete, befragte der Kommissar die Hausbewohner. Wenigstens waren alle anwesend, denn es war 06.30h. Komischerweise hatte niemand einen Schuss, gehört. Wer aber die Polizei alarmiert hatte, war unklar.

"Na endlich", sagte Gerry zum anrückenden Gerichtsmediziner, "wie sieht's aus?". Der Gerichtsmediziner meinte, er müsse schon zuerst die Leiche sehen, bevor er eine ungefähre Tatzeit schätzen könne.

Ungeduldig schwänzelte Gerry hinter dem Doktor her. Nach dessen Angaben müsse die Dame, zwischen 03.00h und 03.30h um die Ecke gebracht worden sein.

Harry Nüssel nahm sich nun die Bewohner nochmals vor, während der Kommissar im Haus gegenüber die Bewohner aus dem Schief riss und mit Fragen löcherte. Aber alles war vergebens. Das einzige Ergebnis war die Verärgerung der Bewohner über den allzu ungeduldigen Kommissar.

- * -

"OK", sagte Gerry zu Harry Nüssel, "gehen wir nach Schema X vor." Du findest heraus, wer die Tote ist, wie sie heisst, welche Verwandte sie hat, welche Freunde. Ich werde mich unterdessen darum bemühen, dass der Onkel Doktor seinen Autopsiebericht so schnell wie möglich herausspuckt und mich bei meinen Informanten etwas herumhören". Harry maulte, machte sich dann doch auf die Socken und murmelte etwas von "..immer ich die Drecksarbeit machen.." oder so.

Nachdem Gerry dem Doktor den letzten Nerv ausgerissen hatte, begab er sich ins Rotlichtquartier. Zurück kam er dann sichtlich zufriedener, jedoch ohne greifbare Informationen. Dafür hatte Harry ganze Arbeit geleistet.

Er rapportierte: "Die Tote heisst Vera Sauermann, 26, unverheiratet, ist Call-Girl, äh, war Call-Girl. Sie hatte eine Mutter in Hamburg. Der Vater ist im Gefängnis gestorben. Er war verurteilt wegen einem Banküberfall. Das Geld wurde nie gefunden. Belief sich auf über eine Million. Gerry murmelte in seinen Bart, welcher eigentlich nur aus Flum bestand von wegen Vorzeigefamilie oder so.

"Die Mutter", rapportierte Harry weiter, "arbeitet als Putzfrau. Wir haben sie telefonisch erreicht und informiert. Sie ist unterwegs".
"Gute Arbeit", meinte Gerry, "wie sieht es mit Freunden aus?"

"Kann ich noch nicht sagen", antwortete Harry, "ich schlage vor, wir fahren in ihre Wohnung". Entsetzt fragte Kommissar Gerry: "Was? War denn der Fundort der Leiche nicht auch die Wohnung?"

"Nee, das war ihr Arbeitsplatz", war Harry's lakonische Antwort. Die beiden stiegen daraufhin ins Auto und fuhren los.

Inspektor Roger Reimer alias Gerry Schwarzer und Harry Nüssel fuhren also zur Wohnung der Vera Sauermann, dem ermordeten Call-Girl. Sie hatte in einem heruntergekommenen Wohnsilo gewohnt. Es fing an zu tröpfeln und der Spielplatz leerte sich immer mehr, als Gerry und Harry in den Lift traten und Harry auf den Knopf mit der Nummer 16 drückte. Im 2. Stock stieg eine alte, gebückte Frau ein. Auch sie wollte in den 16. Stock. Sie fragte die beiden mit ihrer krächzenden Stimme, ob sie Polizisten wären. Sie hätte heute die Nachrichten gehört. Gerry wurde hellhörig und schickte Harry, die Frau auszuhorchen. Harry murmelte etwas unwirsch. Er müsse sicher Kräutertee trinken und ur-altes Gebäck essen. "Vorne rechts", sagte Harry zu Gerry und meinte die Wohnungstüre. Harry nahm sich die alte Dame vor, während Gerry die Tür versuchte. Sie war offen und er trat hinein. Ein Stöhnen klang an sein Ohr, er ging weiter und schaute sich um. Irgend etwas war falsch. Er ging weiter zum Schlafzimmer. Die Tür war nur angelehnt.

Die alte Dame erklärte Harry, dass Vera nur spät Nachts nach Hause kam. Sie würde in der Nacht immer schlecht schlafen, so hörte sie Vera immer, wenn sie mit ihren Stöckelschuhen an der Wohnungstüre vorbeiging. Sehr oft kam Vera überhaupt nicht oder nur am Morgen. Manchmal konnte die alte Dame die Dusche in Vera's Wohnung hören.
Nein, dass Vera ein Call-Girl sein soll, davon hätte sie nichts gewusst. Sie dachte, Vera würde im Krankenhaus arbeiten. "Noch ein bisschen Kräutertee, Herr Nüssel?", fragte die Dame und Harry wehrte dankend ab. "Und sonst haben Sie nichts ungewöhnliches bemerkt?", fragte Harry.

Gerry ging auf die angelehnte Schlafzimmertüre zu. Das Stöhnen wurde immer lauter und heftiger. Er blickte durch den Spalt und sah eine nackte Frau. Ihre Brüste und ihr Körper wippten auf und ab. Unter ihr lager ein nackter Mann und jetzt, was war das? Was taten die da? Unglaublich! Gerry verschlug es den Atem. Das geht ja zu weit! Abscheulich...

Harry bedankte sich bei der alten Dame und dachte "nur raus hier". Der Gestank im Zimmer und der Tee sowie das ur-alte Gebäck gingen ihm fürchterlich auf den Wecker.

Gerry beobachtete das Paar und war schockiert. Das darf doch nicht wahr sein! Und jetzt, jetzt wird es noch schlimmer! Himmel! Vor Aufregung kam Gerry versehentlich an die Tür. Diese quietschte. Der Mann hörte dies und sah Gerry. "Wer sind Sie, was wollen Sie? Raus hier, aber dalli!". Der Mann sprang auf, holte aus einem Schrank einen Baseball-Schläger und stürzte sich auf Gerry. Gerry wollte die Flucht ergreifen, stolperte und fiel auf den Boden. Die Frau schrie! Der Mann holte aus und zielte auf den Kopf von Gerry. Dieser drehte sich aus der Gefahren-Zone, bekam den Schläger zu fassen und setzte den nackten Mann mit ein paar Karateschlägen ausser Gefecht. Der Mann schlug mit dem Kopf an der Wand auf und sackte zu Boden. Die Frau kam aus dem Schlafzimmer und tobte. Sie schlug auf Gerry ein und rief: "Sie haben meinen Mann umgebracht! Sie Mörder! Sie Mörder! Hilfe, Polizei!"

Harry stürzte aufgeregt in die Wohnung, die entsicherte Waffe am Anschlag und schrie Gerry an: "Was machst Du hier???! Ich sagte vorne rechts!! Dies ist die falsche Wohnung!!"

Der Mann erlangte das Bewusstsein wieder und fasste sich an seinen blutigen Hinterkopf. Seine Frau versuchte, die Blutung zu stillen. "Pst... nicht reden!" Gerry versuchte, eine Entschuldigung hervorzustammeln und dachte schon jetzt an die Schelte vom Chef. Harry sicherte seine Pistole und steckte sie in das Schulterhalfter. "Komm jetzt", raunte er zu Gerry, "wir wollen jetzt zur richtigen Tür gehen".

Gross war die Tür angeschrieben: "VERA SAUERMANN". "War das die Show das wenigstens wert?", fragte Harry. Gerry blieb stumm.

Die Tür war verschlossen, doch' hatte Harry den Hausschlüssel von der Spurensicherung bekommen, sodass die beiden die Wohnung durchsuchen konnten.

Gerry ging systematisch vor. Zuerst nahm er sich den Kühlschrank, den Abfalleimer, dann das Bücherregal und das Bett vor. Harry suchte in den Kleidern, in den Schränken und Schubladen.

Die Ausbeute war gering. Sie fanden einen Schlüssel, Zeitungsausschnitte des Raubüberfalls von Vera's Vater, die Karte einer Gegend in der Nähe von Hamburg, Zigarettenkippen im Aschenbecher und eine Art Harpune.

Gerry nahm sein Mobilfunktelefon und rief den Gerichtsmediziner an. "Nun stress mich nicht! Vor einer Stunde warst Du bei mir und ich hatte noch nichts. Jetzt ist es das Gleiche", murrte dieser. Gerry wollte aber nur schnell - "Schnell! Gerry, ich kann nicht schnell, ich habe noch 7 andere Leichen, welche heute Morgen eingetroffen sind." Gerry stürmte weiter. Er wollte nur wissen, ob Vera eine Raucherin war oder nicht. "Ach so", sagte der Gerichtsmediziner, "negativ, ist ziemlich ungewöhnlich für ein Girl in diesem Beruf, Ciao!"

- * -

Das Telefon läutete. Gerry Schwarzer nahm sein Mobiltelefon aus der Tasche und drückte die Taste. Der Anrufer war Oberinspektor Matz. "Gerry, wir haben einen Hinweis von einem Informanten erhalten, Du und Harry sollt sofort zu ihm hinfahren. Er wisse angeblich, wer Vera Sauermann ermordet habe". Gerry hing auf und sagte zu Harry: "Ich muss einen Informanten treffen. Vielleicht findest du noch etwas brauchbares hier, ich treff Dich dann im Büro." Also rauschte Gerry zum vereinbarten Treffpunkt, während Harry sich auf das Bett von Vera setzte und über das Motiv sinnierte.

Für Harry gab es nur zwei Möglichkeiten: Vera konnte ihren Mörder nicht oder nur als Kunde gekannt haben. Der Mörder hat sich demnach als Kunde ausgegeben oder war bereits einer. Vielleicht hat Vera ihn erpresst. Harry rief die Zentrale an und fragte eine der Kolleginnen im Team nach Vera's Vermögen. "Ja", sagte diese, "die Abklärungen ergaben, dass in den letzten Monaten, grössere Beträge auf ihr Konto bar einbezahlt wurden. Total würden sich diese Beträge auf eine halbe Million beziffern." Harry stiess einen Pfiff aus, als wollte er einer langbeinigen Blondine hinterher pfeifen.

Für Harry war die Sache klar: Erpressung. Also, musste es ein Videoband oder Fotos geben. Wo waren diese geblieben?

Während Harry sinnierte, wo ein Call-Girl Erpressungsunterlagen verstecken könnte, quietschte die Wohnungstüre. Harry schreckte auf und zog seine Pistole. Leise stand er auf, schlich zur Schlafzimmertüre und guckte durch den Spalt. Ein fremder Mann näherte sich dem Tisch, auf welchem die Fundstücke lagen. Er langte direkt nach dem Schlüssel und wollte ihn schon an sich nehmen. Doch dann überlegte er sich es anders und zog seinen Revolver. In diesem Moment stürzte Harry in den Raum und schrie: "Polizei! Hände hoch, Waffe auf den Tisch!". Der Mann gab einen Schuss auf Harry ab, welcher Harry ein paar Haare kostete, glücklicherweise aber das Holz des Türrahmens traf . Sofort erwiderte Harry das Feuer und traf den Mann ins Herz. Der Eindringling war sofort tot. "So ein Mist", dachte Harry, "der einzige Mensch, welcher Licht ins Dunkel bringen könnte ist jetzt tot! Und ich Idiot musste ihn auch gleich umbringen!" Noch nie hatte Harry seine Waffe auf einen Menschen abfeuern müssen. Er zitterte am ganzen Körper. Nachdem er per Telefon seinen Standort durchgegeben hatte, verlor er das Bewusstsein.

Im Inspektorat 1, drei Stunden später:
Harry schlürfte heissen Mokka. Die Spurensicherung hatte ihre Freude an der Wohnung, der Gerichtsmediziner aber nicht an der Leiche. Sicher würde Gerry ihn wieder stressen und genaue Details auf der Stelle verlangen.

Der Oberinspektor: "Harry, wo ist Gerry?". Die Antwort von Harry: "Er ist sofort nach deinem Anruf losgefahren, um sich mit dem Informanten zu treffen." Der Oberinspektor: "Wir haben versucht, ihn zu erreichen, erfolglos. Er ist seit ca. drei Stunden unterwegs und keiner weiss wo er ist. Hoffen wir, dass er sich bald meldet".

Harry's Gedanken fingen nun an, sich wieder zu ordnen. Er sah in sich das Bild des Mannes, welchen er erschossen hatte, wie dieser nach dem Schlüssel griff. Ihn in Interessierte nur der Schlüssel, sonst nichts. Wer war der Mann? War er der Mörder? Was war das für ein Schlüssel?

Harry beschloss, wenigstens zu versuchen, einige Fragen zu beantworten. Er rappelte sich auf und taumelte den Gang entlang ins Büro der Spurensicherung. Wenn der Schlüssel zu den Erpressungsdokumenten führte, würde er wissen, wer Vera umgebracht hatte.

Der Schlüssel, wie die Spurensicherung herausfand, stammte nicht aus einem Bahnhofs-Schliessfach. Er könnte eher für einen gemieteten Schrank in Sportcenters, Hallenbäder, etc. passen.

Gerry war müde. Morgen, ganz bestimmt, würde er das richtige Schloss für diesen Schlüssel finden und den Fall abschliessen.

Eine Polizeistreife brachte Harry nach Hause, wo er sofort in ins Bett fiel und einschlief. Er war total fertig. Angstträume plagten ihn die ganze Nacht. Tausend Mal hörte er im Traum den Schuss knallen. Seine Hände waren voll Blut, das so stark klebte, dass kein Mittel es wegbrachte. Gegen Morgen wurde Harry's schlaf ruhiger.

Am nächsten Morgen, es war sieben Uhr, fuhren die Müllmänner los, um den Müll der Stadt einzusammeln. Was die Müllmänner in den Containern nicht alles finden! Der eine fand einen Nerzmantel, der andere ein paar alte Aktien und der dritte einen toten Mann.

Die Polizeistreife durchsuchte diesen, fand aber keine Papiere. Gerry Schwarzer und Harry Nüssel wurden zur Stelle gerufen. Harry wachte total gerädert auf und schaute aus, als ob er drei Nächte hintereinander durchgezecht hätte und zudem gewissen Etablissements nicht aus dem Weg gehen konnte. Er fragte die Polizeistreife, wie der Tote heisse, doch aufgrund der fehlenden Papieren konnte der Tote noch nicht identifiziert werden. Wo Gerry nur blieb! Harry wartete eine Viertelstunde, dann gab er dem Polizisten einen Wink, worauf dieser das Leichentuch vom Gesicht zog. Harry begutachtete die Leiche und konnte es nicht fassen! Der Tote vor ihm war Gerry!

Es war unfassbar! Harry schlug sich ins Gesicht und es tat weh. Also war es kein Traum. Sein Freund und Partner war tot. Ein starker Kaffee und Brandy vermochten Harry's Geister wiederzubeleben. Harry war fassungslos! Man hatte seinen Freund und Kollegen ermordet! Ein kleines Löchlein an seiner rechten Schläfe wurde festgestellt. Der Anblick eines Toten brachte Harry schon lange nicht mehr aus dem Gleichgewicht, aber der Anblick seines toten Partners war zu viel.

Der Oberinspektor tauchte auf. Aschfahl und mit leeren Augen starrte er auf die Leiche von Gerry. Er setzte sich zu Harry. "Warum bist du eigentlich nicht mit Gerry mitgefahren? Ich hatte Gerry gesagt, ihr beide sollt gehen." Harry antwortete: "Davon wusste ich nichts. Gerry hat gesagt, er müsse zu einem Informanten und ich solle in der Wohnung bleiben, vielleicht fände ich noch etwas. Wir wollten uns wieder im Büro treffen. Na ja", stammelte Harry unter Tränen, "gefunden habe ich ja was".

Im Inspektorat wartete der Befund des Gerichtsmediziners. Der von Harry am Vortag in Notwehr erschossene Mann wurde von der Polizei seit langem gesucht. Sein Name war Alfred Stettler und seine ihm zur Last gelegten Verbrechen umfassten eine Liste von 5 Seiten. Er war Mädchen für alles bei entsprechender Bezahlung und erledigte die Drecksarbeit für Mafiabosse und andere Verbrecher. Nie konnte die Polizei ihn fassen. "Wie wir aus Informantenkreisen erfahren haben, soll der Stettler in letzter Zeit seine Preise gesenkt haben, weil sein bisheriger, na ja, Haupt-Arbeitgeber, von einem Polizisten er schossen worden war", informierte der Ober-Inspektor.
Harry: "Ich bin der Ansicht, dass Vera Sauermann ihren Mörder oder den Auftraggeber erpresst hat. Es ist innerhalb von drei Monaten total eine halbe Million auf ihr Konto einbezahlt worden. Der Mörder war sicherlich ein Kunde und ist entweder verheiratet oder in einer öffentlichen Position. Nur der Betrag macht mich stutzig. Vielleicht betrieb Vera systematische Erpressung."

"Harry, bist Du fit um weiter zu arbeiten", fragte der Oberinspektor. Dieser bejahte. Der Ober-Inspektor vertraute Harry die Ermittlungen im Fall Sauermann Gerry an und gab ihm einen Sonderstab von drei Mann.

Sofort begann Harry mit dem Briefing: "Der Schlüssel ist sozusagen der Schlüssel. Wir müssen herausfinden, zu welchem Schloss dieser passt. Harry nahm die Polaroid-Kamera und fotografierte den Schlüssel mehrmals. "Hier habt Ihr Polaroid-Bilder vom Schlüssel. Sucht jedes Sportcenter, jedes Schwimmbad und jeden Club ab! Ueberall wo es Spinde und Schliessfächer gibt müsst Ihr nachfragen. Wir müssen Erfolg haben!" Harry gab den Beamten eine Liste der registrierten Einrichtungen mit, welche er von einer Kollegin angefordert hatte. Die Beamten zogen los.

Auch Harry setzte sich ins Auto und ackerte seinen Teil der Liste durch. In jeder vermerkten Einrichtung sprach er mit dem anwesenden Personal und verlangte eine Probe von einem Spind-Schlüssel, welchen er mit dem Original verglich. Ohne Resultat kehrte er wieder ins Büro zurück. Das Telefon klingelte. Es war das Labor, welches die Zigaretten-Asche untersucht hatte. Aufgrund der Nikotin und Teerzusammensetzung konnte die Marke festgestellt werden. Es handelte sich um eine "Blondie". Harry sinnierte: Wer immer diese Zigarette geraucht hat, war nicht, lange genug in Vera's Wohnung um auch noch den Stummel zu hinterlassen.

Nun nahm Harry sich die gefundenen Zeitungsausschnitte vor. Der eine war ein Bericht über die Verhaftung von Vera's Vater, der andere über die Verurteilung. Anscheinend hatte der Vater nicht kooperiert oder bekannt gegeben, wo das Geld jetzt sei. Immerhin war die Deliktsumme ca. 2 Millionen! "Wo jetzt wohl das Geld ist", sinnierte Harry und fröhnte einem wohl verdienten kurzen Büro-Nickerchen.

- * -

Er schrie laut auf und sie keuchte heftig. Die Anstrengung trieb beiden den Schweiss aus den Poren. Im Rausch der Gefühle konnte Harry alles vergessen. Seinen toten Partner, den Mann, welchen er selber getötet hatte, einfach alles.
Die Bewegungen wurden immer scheller sie hielt ihm Ihren wunderschönen Körper entgegen, als wollte sie sagen: "mach mit mir was Du willst, nimm mich!". Und jetzt wurde es -

- das Telefon riss Harry aus seinen Träumen auf. Er riss den Hörer von der Gabel und krächzte, mit belegter Stimme in die Muschel seinen Namen. Dann räusperte er sich und sagte ihn mit schöner Stimme überkorrekt ein zweites Mal. Es waren die Kollegen: 'Wir haben das Schloss!"

Harry war plötzlich hell wach und jauchzte auf. Endlich ein Erfolg! Sofort war er mit dem Schlüssel zur Stelle. Das Schloss befand sich im Golfclub und verriegelte eine Spind-Türe. Harry versuchte den Schlüssel. Der Schlüssel passte, das Schloss öffnete.

"Ich muss die Türe zu mir ziehen und der Fall ist gelöst", dachte Harry. Er zog. Der Schrank war leer.

Tiefe Enttäuschung bereitete sich unter den Männern aus. Sie konnten es nicht fassen! So nahe am Ziel und alles war vergebens! All die Feinarbeit, die vielen Besuche in Sport-Zentren, alles vergeblich.

Zwei Golfspieler traten in den Raum, öffneten ihre Schränke und legten die langen Taschen mit den Golfschlägern hinein. Jetzt dämmerte es Harry! Die Kasten waren sehr tief! Aufgeregt nahm er den Schlüssel zur Hand und öffnete Vera Fach nochmals. Dieser Schrank war gar nicht tief! Er klopfte an die hintere Wand. Sie war aus Holz und nicht aus Metall. "Wir haben es!", schrie er zu seinen Kollegen, nahm die Holzplatte heraus und starrte den dahinterliegenden Inhalt an.

Der Fund bestand aus mehreren Video-Bändern und aus einem kleinen Notizbuch sowie einem Brief von Vera's Vater mit einem Gedicht. Jagdfieber machte sich auf Harry's Gesicht breit. Das Notizbuch war die gesamte Kundenkartei von Vera mit allen "Besuchsdaten"!

Den Rest vom Morgen verbrachte Harry zusammen mit seinem Sonderstab beim Fernsehen. Pflichtbewusst betrachteten sie alle drei Videokassetten mit obszönen Aufzeichnungen von Vera's Arbeit. Und Vera kannte keine Hemmungen! Jede der drei Kassetten beinhaltete einen Zusammenschnitt von jeweils einem Kunden. Harry betrachtete die Aufzeichnungen mit Abscheu, die drei Kollegen dachten, dass die Arbeit endlich einmal Spass mache. Die auf den Videobändern ersichtlichen Kunden konnten nach einigem Hin und Her den Namen in Vera's Notizbuch zugeordnet werden. Alle drei Kunden waren alle, so die Nachforschungen von Harry, zahlungsfähig und verheiratet.

Bei den drei Kunden handelte es sich um Herbert Sieder, Inhaber einer Ingenieur-Firma, Walter Gotter, einem einflussreicher Politiker und um Fritz Roder, Generaldirektor der wichtigsten Bank in der Stadt. Harry vernahm zuerst Herbert Sieder.

Mit Erleichterung nahm Herbert Sieder die Nachricht von Vera's Tod entgegen. Herr Sieder kooperierte mit Harry völlig und machte freimütig alle benötigten Aussagen. Ja, er hätte gewisse Phantasien, welche er mit seiner Frau nicht ausleben könne. Vera habe nicht nur Geld erpresst sondern auch einen regelmässigen Besuch bei ihr gefordert. Herbert Sieder war Vera völlig ausgeliefert, aber diese Abhängigkeit regte ihn sogar an. Mit dem Mord hätte er nichts zu tun. Zur Tatzeit wäre er auf Geschäftsreise gewesen.

Fritz Roder war zu Harry mürrisch. Es war ihm zu tiefst peinlich, dass Harry das Video gesehen hatte. Voller Scham gab sich Herr Roder kratzbürstig und Harry musste alle Informationen wie Würmer aus der Nase ziehen. Ein Alibi hatte Roder nicht, denn scheinbar schlief er zur Tatzeit und dies natürlich ohne Zeugen.

Nun besuchte Harry den Politiker Gotter, welcher angeblich nicht zu sprechen war. Harry platzte mitten in eine Sitzung. Herr Gotter schrie Harry an: "Was zum Teufel haben Sie hier zu suchen! Raus, aber dalli!" Harry zeigte seine Polizeimarke. Gotter: "Ich werde Sie feuern lassen! Hauen Sie schleunigst ab und lassen Sie mich in Ruhe!" Seelenruhig und brav wie ein Lämmlein informierte Harry, dass es um den Fall Sauermann gehe und dass es für Herrn Gotter vielleicht besser wäre, mit Harry zu sprechen.

Nach 15 Minuten kam Herr Gotter überfreundlich aus der Sitzung. "Lieber Herr Nüssel, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Wollen wir nicht in mein Büro gehen? Kaffee, Tee oder Brandy?" Verlegen wehrte Harry ab und erklärte Herrn Gotter die Situation. Aschfahl fiel dieser in seinen Sessel und schluckte schwer.

"Natürlich habe ich bezahlt", sagte er auflehnend, "es blieb mir nichts anderes übrig. Aber ermordet habe ich sie nicht. Sie sagte mir, dass ich vielleicht das Geld wieder bekäme und dass sie mich als Kunden unbedingt behalten wolle". Herr Gotter steckte sich eine Zigarrette an und meinte auf Harry's Frage, dass er keine Waffe besässe, schon gar keine Kleinkaliber-Pistole. Gotter bot Harry eine Zigarette an. Dieser nahm als Nichtraucher trotzdem gerne an und meinte, er würde diese gerne draussen rauchen. Weitere brauchbare Informationen bekam Harry aber von Gotter nicht heraus.

Harry's Telefon klingelte. Es war die Zentrale. "Harry, wir haben eine weitere Tote. Diesmal ist es wieder eine Frau. Vergiftet. Komm schnellstmöglich ins Büro."

Harry schloss die Augen. Da man ihn informiert hatte, musste der weitere Mord im Zusammenhang mit seinem Fall sein. "Wenn das so weitergeht", dachte Harry, "habe ich bald niemanden mehr zum vernehmen!"

Die Tote hiess Maria Gerhard und wurde in der Gegend von Bergheim gefunden. Ihr Arm war durchlöchert. Harry schreckte auf. Bergheim? Bergheim? Da war doch auf der Karte... hrm, Da war doch irgendwas! Harry errinnerte sich. Nervös fischte er aus seinem Pult die in Veras Wohnung gefundene Karte, tippte auf den Namen Bergheim und rief: "Da ist es!" Harry untersuchte die Karte genauer. Um Bergheim waren Eindrücke in der Karte. Es schien, als ob einmal ein Bleistiftkreis den Namen umgab, welcher sorgfältig ausradiert wurde.

Harry packte die Karte, die Harpune und das Gedicht von Vera's Vater ein. Zusammen mit zwei seinen Leuten fuhr er nach Bergheim und stieg im Gasthaus Edelweiss ab. Am nächsten Tag fuhr Harry mit seinen Leuten zum Fundort der Leiche. In der Nähe des Fundortes war ein Wasser-Reservoir. Davon stand etwas im Gedicht von Vera's Vater. Harry las es: "Im Reservoir sagst Du nicht mehr 'Au Revoir'. Es schmerzt sogar oder es ist wunderbar. Unterm Tisch liegt der Fisch doch sei auf der Hut und benutze die Rut. Doch vermeide den Duft und suche die Luft."

Der Betrieb des Reservoirs wurde vor langer Zeit eingestellt. Irgendwann hatte jemand Schrott darin deponiert. Es befand sich auch ein schwerer Tisch darin und darunter eine Falltüre, welche offen stand.
Harry leuchtete mit einer Taschenlampe ins Loch hinein. Er sah einen dreckigen Abfallsack, welcher zugeschnürt war und an welchem ein Haken befestigt war. Mit der Harpune fischte er nach dem Sack. Sofort nachdem er den Sack anhob, sprangen von jeder Seite des Lochs Metalldorne heraus, welche mit einem Gift versehen waren. Die Metalldorne zogen sich alsbald wieder in die Seitenwände zurück. Der Harpune geschah aber nichts, weil sie zu dünn war. Jeder menschliche Arm wäre durchlöchert gewesen. Jetzt kannte Harry die Totdesursache von Maria Gerhard.

Harry hob mit dem Haken der Harpune den Abfallsack ganz aus dem Loch. Wie ging es weiter im Gedicht? Harry entsinnte sich. Es hiess: "Suche die Luft". Harry ging also nach draussen. Mitten im Feld zog er an der Schnur um den Sack zu öffnen. Es' gab einen Knall und Giftgas trat aus dem Sack. Harry lief in Gegenwindrichtung davon. Nach einer halben Stunde konnte der Sack ganz geöffnet werden. Darin enthalten war das Geld des Banküberfalls von Vera's Vater.

- * -

Der Epilog:
Harry sass am Kaminfeuer. In der Hand hielt er ein Glas Lagavulin und erzählte seinen Freunden die Geschichte zu Ende.

"Fritz Roder hat mich ziemlich sauer gemacht und ich habe ihn überwachen lassen. Aber es gab keine Anzeichen, dass Roder Dreck am Stecken hatte. Das Verhalten von Herbert Sieder war so offen, dass ich keinen Verdacht schöpfte und ihm geringe Priorität zumass. Gotter war so einflussreich, dass ich mich zuerst nicht getraute, ihm einen Bewacher auf den Hals zu hetzen.

Ich ging zum Staatsanwalt und bat ihn um eine Hausdurchsuchung beim Kandidaten Gotter. Dort fanden wir zunächst gar nichts und waren ziemlich enttäuscht. Zwei meiner Leute wollten bereits abrücken, als bei beiden dieselbe Diele unter den Füssen knarrte. Sonst knarrte im Haus überhaupt nichts. Ich war total rot im Gesicht, dass wir nichts gefunden hatten und klammerte mich an jeden Hoffnungsfaden. Und tatsächlich, unter der knarrenden Diele fanden wir eine Kleinkaliber-Pistole!
Nach seiner Verhaftung legte Gotter ein vollständiges Geständnis ab: Er war Kunde bei Vera und hat von ihr viel vom Raubüberfall herausbekommen. Doch dann wurde er erpresst. Bezahlt hat er mit einer Kugel aus der Kleinkaliber-Pistole beim nächsten Besuch. Gotter hatte ein dringendes Ziel: Er musste die Videos wegschaffen und alle Beweise vernichten. Doch er wurde vom schnellen Auftauchen der Polizei überrascht. Vera hatte nämlich einen Alarm installiert, welcher sich per Handy zur Polizei einwählte und eine Meldung abspulte. Als Gotter die Waffe auf Vera richtete, drückte sie den Alarmknopf bevor er schiessen konnte. Als er die Polizei kommen hörte, musste er fliehen und hatte deshalb keine Zeit den Schlüssel zu Vera's Wohnung zu suchen.

Nun blieb ihm nichts anderes übrig, als einen Handlanger anzuheuern, der die Wohnung der Sauermann durchstöbern sollte. Er heuerte den Killer Stettler an, welchen ich dann erschossen habe. Die Falle für Gerry hatte auch Gotter aufgebaut. Erwollte die Polizei ablenken, damit der Fall Sauermann nicht als erste Priorität behandelt würde. Aber er machte einen Fehler. Er benutze die gleiche Waffe für die Ermordung von Gerry wie für die Sauermann. Dies machte mich von Anfang an stutzig. Armer Gerry. Er hatte sich immer gewünscht, dass wenn das Schicksal ihm einen gewaltsamen Tod bescheren sollte, dass er einen Heldentod sterben würde. Nun wurde er als blosses, unwichtiges Ablenkungsmanöver getötet.

Die Frau Gerhard war die Hausmeisterin im Haus wo Vera gewohnt hatte. Sie hatte als Hausmeisterin die Schlüssel zu jeder Wohnung und hat dies auf schamlose Weise genutzt, um Vera auszuspionieren. In ihrer Wohnung haben wir Kopien von der Karte gefunden. Sie hatte jedoch das Gedicht nicht und wusste nicht, dass der Vater von Vera zwei tödliche Schutz-Vorrichtungen aufgebaut hatte.

Gotter hat sich übrigens in Untersuchungshaft erhängt. Er war zu schlau. Er wollte mir weismachen, dass er keine Waffen besitze, insbesondere keine Kleinkaliber-Pistole. Nach solchen Details hatte ich aber gar nicht gefragt. Ausserdem war er der einzige der Verdächtigen, welcher rauchte. Dass die mir angebotene Zigarrette eine Blondies war, passte einfach zu gut!"



(c) 2003 by Alex Mühle